Change Maker Hotels Daberer Marianne Daberer
Foto: Daberer
Dellach

"Der kleine Radius" – Marianne Daberer vom Biohotel Der Daberer

Interview • Locationtipps

Der kleine Radius ist bei Marianne Daberer keine PR-Floskel, sondern ein Prinzip: Erholung entsteht, wenn der Aktionsradius kleiner wird – und Bio gewinnt, wenn Herkunft nachvollziehbar bleibt. Warum sie Kinder im Haus schätzt, Trends skeptisch sieht und Adult only für sie keine Option ist: So tickt das Biohotel Daberer im Kärntner Gailtal.

Petra Percher

Marianne Daberer ist das Gesicht nach Außen im Biohotel Daberer. Als Betriebswirtin und Controllerin in zwei großen Konzernen hat sie das Handwerk gelernt, alle Zahlen zu kennen, bevor sie Geschichten erzählt – oft auch recht eigenwillig.

Eineinhalb Stunden sitzen wir mit Marianne an ihrem Lieblingsplatz, der Kochwerkstatt im Daberer. Wir sprechen über Bio-Botschaften, ihr Problem mit Adults-only und darüber, wie viel Inszenierung ein Hotel verträgt. Nur die Frage nach ihrem großen Change-Maker-Moment ist nicht so ohne weiteres erledigt: „Den einen Moment gibt es nicht, wenn du ein Haus übernimmst, das von deinem Urgroßvater gegründet wurde, der mit dem Heilbad aus eigenen Quelle selbst ein Pionier war.“ 

Die Eltern machten später eine Bio-Pension daraus – heute steht da im kleinen Kärntner Ort Dellach ein 4-Sterne-Superior-Biohotel, das Marianne gemeinsam mit ihrem Bruder Christian führt. Lange fragte sie sich, was eigentlich ihr Part in diesem Generationenspiel ist. Jetzt weiß sie: „Architektin und Storytellerin“. Ihr Tun? Weiterbauen, gestalten, schärfen, testen – und den Ort mit Geschichten konsequent nach außen tragen. 

Du sagst: Der Daberer macht nichts, weil es Trend ist, sondern weil es euer Weg ist. Was hat sich in den letzten Jahren auf diesem Weg geändert?

Ein Weg hat immer Kurven und Schlingen, geht bergauf und bergab. Die Richtung ist aber klar. Wir wissen, wer wir sind, woher wir kommen und wohin wir wollen. Wir haben eine sehr klare Linie und dann gibt es Feinjustierungen und größere oder kleinere Investitionen. Das Haus ist gewachsen und gefestigt mit der Heilquelle als Ursprung. Sie sorgt seit jeher fürs Grundrauschen. Sie gibt den Weg vor. Ob früher Heilbäder oder heute Basenfasten: Im Kern geht’s um Gesundheit, auch wenn es nicht überall draufsteht.

Longevity wäre so ein Trendwort.

Wir machen eigentlich Longevity. Und ich struggle, ob ich es draufschreibe.

Bei welchen Trends haderst du noch?

Ich hadere oft! Müssen wir jetzt Eisbaden machen? Müssen wir Matcha anbieten? Müssen wir dies und das? Die Auseinandersetzung mit diesen Themen ist extrem wertvoll.

Und dann entscheidest du dich meistens dagegen?

Ich sage nicht grundsätzlich nein, weil es alle machen. Aber es muss im hintersten Gailtal nicht alles geben, was es in den Großstädten dieser Welt gibt. Nachdem ich jetzt gelesen habe, dass die Matcha-Vorräte zu Ende gehen, braucht es das nicht. Alles muss zum Haus passen und Sinn machen. Zum Beispiel gehen immer mehr Gäste bei uns Eisbaden, weil der Ort ideal dafür ist. Wir haben jetzt ein Schild am Teich mit Do’s und Dont’s, aber nicht wegen dem Trend sondern weil eine Mitarbeiterin von uns begeistert Eisbade-Workshops anbietet.  

Der Daberer – das Biohotel im Gailtal

Wirtschaften mit gesundem Menschenverstand und Verändern mit Hirn. Das klingt jetzt gar nicht so, als hätten die vom Biohotel Daberer im Kärntner Gailtal einen Vogel. Haben sie aber.

Wie hältst du es mit Transparenz und Information beim Daberer – wo ist genug und wo ist es zu viel?  

Wir waren immer transparent, was unsere Küche angeht. Aber oft ist es eine Gratwanderung. Was ist wichtig? Was notwendig? Was too much? Bei der Teichsauna dachte ich, man muss nicht hinschreiben, dass man vorher duschen soll. Dann hatte ich täglich Leute an der Rezeption, die sich furchtbar aufgeregt haben, dass andere einfach so ins Wasser gehen. Wir haben ein kleines Schild hingehängt, sie haben es nicht gesehen. Dann ein großes Schild. Mir ist es eigentlich zu viel. Aber das Essentielle möchte ich trotzdem rüberbringen. Die Kommunikation im Haus ohne zu viele Regeln und Informationen zu optimieren, ist gerade ein spannender Prozess.

Du bist auf Instagram sehr präsent. Wie geht es dir damit?

Ich bin nach außen fast präsenter als nach innen. Irgendwann habe ich angefangen, extrem transparent zu werden und Dinge angesprochen, über die wenige reden. Warum wird so viel gestohlen? Warum verrechnen wir Wasser? Warum finde ich kurze Stornofristen schwierig? Positive Reaktionen überwiegen ganz klar. Aber wenn du anfängst zu polarisieren, gibt es auch Hate. Mir ist das egal.

Bio 2026: Was bedeutet das für dich?

Bio hat sich extrem entwickelt. Für uns war und ist es ein Qualitätsverständnis. Mir geht es darum, ein Produkt in bestmöglicher Qualität einzukaufen. Das frische Produkt werterhaltend zu verarbeiten und zu servieren.  

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© der daberer. das biohotel

Wie bringt man Kindern „gesundes Essen“ bei? Und wie war das bei dir?

Geschmack muss man lernen. Geschmack wird sozialisiert. Meine Mutter ist Köchin und hat immer mit Vollkorngetreide gearbeitet. Ich hatte in der Schule Vollkornbrot, alle anderen Wurstsemmeln – als Kind dachte ich: Ich bin falsch. Erst später habe ich erkannt, was ich da mitbekommen habe. Und das versuche ich auch unseren Kindern mitzugeben: Wenn ich in den ersten 10, 15 Lebensjahren möglichst viel geschmeckt habe, bin ich offener, geschulter, probiere mehr. Das ist das Allerwertvollste. Deswegen wird der Daberer auch nie ein Ort nur für Erwachsene sein.   

Das passt zu unserem Change-Maker-Kriterium Kinder zurück zur Natur!  

Ja, unbedingt. Abgesehen davon, dass Kinder ein Haus lebendig und bunt halten. Das ist für mich das richtige Verständnis von einer inklusiven Gesellschaft und einer inklusiven Hotellerie.   

Deshalb wird der Daberer nie „Adults-only“ sein?  

Never. Mich ärgert das. Ich verstehe das Produkt, ich verstehe, warum Menschen das buchen, ich verstehe, warum Hoteliers das anbieten – ich bin trotzdem total kontra. Je mehr wir Kinder aus Orten ausschließen, desto weniger selbstverständlich werden Kinder dort, wo sie inkludiert werden müssen: im Zug, in der Straßenbahn, im Restaurant. Wir brauchen Kinder, sonst sterben wir aus.

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Was macht der Daberer für Kinder?

Nichts extra. Wir sind kein Kinderhotel und auch wir haben eine interne Quote, damit das Verhältnis passt. Aber es ist total wichtig, dass gutes Essen familienzugänglich ist. Es ist schön, wenn du an einem Ort bist, wo du weißt: Ich kriege frisch zubereitetes Bio-Essen, die Kinder können ganz normal mitessen, und wenn es einmal stressfrei sein soll, gibt es auch eine Kinderkarte. Wenn auch nicht mit den üblichen Würstel und Pommes, sondern eine Daberer typische Kinderkarte mit Gerichten, die Kindern trotzdem oder gerade deshalb schmecken.  

Was würdest du Kindern – oder Familien – gerne mitgeben?

Das wir als Konsument*innen genauer hinschauen. Und mehr fragen. Nicht unbequem, einfach nur neugierig. Interessiert daran, wie etwas gemacht wird oder woher das Fleisch kommt. Wir machen das. Oft steht dann „von regionalen Produzent*innen“. Aber wer ist das?

Woher kommen bei euch die Bio-Produkte?

Wir arbeiten mit drei Warenkörben. Erstens: der regionale Bio-Warenkorb, das ist uns der allerliebste. Davon kann es nie genug geben, aber der eigene Garten und die Bio-Produzent*innen aus der Gegend können nie den ganzen Bedarf abdecken. Zweitens: der österreichische Bio-Markt, bei uns mit einem Einschlag Richtung Oberitalien und Slowenien, gerade beim Wein. Drittens: der globale Bio-Markt für Kaffee, Kakao und Gewürze. Das muss man sich bildlich vorstellen. Dann bekommt man einen anderen Bezug zum Thema Lebensmittel.

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Change Maker Hotel Der Daberer Suite
© der daberer. das biohotel
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Ausblick im Biohotel Daberer
© Der Daberer – Das Biohotel

Wird Bio in der Hotellerie zu oft auf „Essen“ reduziert?

Nein. Bio ist primär Essen. Und Hotels, die Bio wirklich leben, denken ohnehin meistens weiter. Die Spitze kommt aber immer im Essen zusammen. Das finde ich spannender, als zu sagen: „Ich bin so wahnsinnig energieautark.“ Über Essen kann ich den Gast leichter inspirieren. Und natürlich ist Ernährung der zentrale Hebel. Alles, was ich esse, wird ja zu mir.  

Das kann man von Kosmetik auch sagen.

Natürlich geht die auch in mich hinein. Aber Essen ist ist wesentlich. Ich muss ja was essen. Wir sind seit 1978 ein Biohotel. Die Geschichte des Hauses kommt einerseits über das Wasser und andererseits über die Küche. Und deswegen werden das immer die zwei Speerspitzen sein, um die sich alles dreht.   

Was heißt dann „ganzheitlich Bio“ beim Daberer?   

Küche und Keller sind zertifiziert. Alles andere ist on top. Kosmetik, Wandfarben, Stoffe, der ganze Baubereich bis hin dazu, welche Bücher wir wo bereitlegen. Es geht um ein Grund-Qualitätsverständnis, ohne dass wir das überall draufschreiben müssen. Wir haben bewusst auf der Homepage keine Seite gemacht, wo steht: Wir machen das, das, das. So mag ich nicht kommunizieren. Wenn man auf die Homepage geht, spürt man es trotzdem. Und im Haus erlebt man es sowieso.

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© Der Daberer – Das Biohotel

Wie viel Nachhaltigkeit traust du den Gästen zu?

Ich glaube, dass Menschen relativ schnell auf das vertrauen, was irgendwo steht – weil es ein Wunsch ist. Viele Häuser sind enorm gut in der Außenkommunikation, aber innen passieren nur kosmetische Dinge. Bei uns ist das anders. Wir liegen im hintersten Gailtal. Hier kommst du nicht zufällig vorbei. Der Ort passiert dir nicht einfach. Deswegen haben wir wenige Gäste, die nicht hierher passen und die Philosophie nicht verstehen.  

Die Lage im Kärntner Nirgendwo verschafft euch also Gäste, die so ticken wie ihr?

Ja und das Produkt. Das Wort Biohotel sortiert per se vor und schreckt immer noch viele ab. Das sind zwei extreme Filter. Am Ende hast du dafür im Haus eine Atmosphäre, die du so woanders nicht findest.  

Vier Hauben vom Gault&Millau und ein Tipp im Slow-Food-Kärnten-Guide – beim Daberer können Gäste also auch einen Tisch im Restaurant buchen.

Ja, externe Gäste sind zum Frühstücken, Abendessen und Day Spa willkommen. Und das Ganze auch in diversen Kombis. Dadurch versuchen wir, auch in der Region präsenter zu werden. Abends bieten wir ein täglich wechselndes Menü.  

Du bist Obfrau der ersten Slow Food Travel-Region hier in Kärnten und hast die Slow-Food-Lehre mitinitiiert. Wie transportierst du Slow Food und Bio im Hotel?

Wir kommunizieren beide Themen über das Menü und über die Speisekarte. Aber nicht omnipräsent. Wir sagen, woher Produkte kommen und wer es genau wissen will, kann selbst hinfahren. Dafür vermitteln wir Workshops und machen selber welche. Über die Slow-Food-Lehre verbringen unsere Lehrlinge ja pro Lehrjahr eine Woche direkt bei einem Produzenten und können den Gästen dann auch davon erzählen.   

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Fleischgericht im Biohotel Daberer
© Der Daberer – Das Biohotel
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Change Maker Hotel Der Daberer Essen Gemüse
© der daberer.das biohotel

Was bedeutet das Wort „Nachhaltigkeit“ beim Biohotel Daberer?

Wir verwenden das Wort möglichst selten. Unser hemdsärmeliger Zugang lautet: lieber mehr tun und weniger darüber sprechen. Bei Entscheidungen greifen wir auf unser Daberer-Qualitätsverständnis zurück. So würde ich Nachhaltigkeit bei uns nennen. Manchmal gelingt es super, manchmal musst du Abstriche machen. Es ist eine Entwicklung. Ich sehe heute Dinge, die ich vor zehn oder 15 Jahren nicht gesehen habe.

Was siehst du heute anders?  

Wir haben vor Ewigkeiten Fleece-Bademäntel in großen Mengen gekauft, weil sie gut waschbar sind. Heute machen Polyester-Mäntel für uns als Biohotel keinen Sinn. Sie laufen jetzt langsam aus, und wir haben endlich neue gefunden: Bio-zertifiziert, Baumwolle, nicht zu voluminös, weil wir alles im Haus waschen. Manche Entscheidungen waren damals okay. Aber ich wollte sie nicht einfach wegschmeißen. Jetzt schauen wir darauf. Und in Summe wird das Produkt und Erlebnis wertiger und wenn wir so wollen, nachhaltiger.  

Ihr habt das österreichische und europäische Umweltzeichen. Helfen Zertifikate dem Hotel, nachhaltiger zu werden?

Es gibt Zertifizierungen, die finde ich sinnvoll und wertvoll. Bio hat eine Logik, schafft Vertrauen. Auch das Umweltzeichen ist gut, weil es dem Hotel immer wieder Optimierungen aufzeigt. Die CO₂-Bilanzierung hat mir hingegen nichts gebracht. Und von Kompensationszahlungen halte ich überhaupt nichts. Haben wir eine Zeit lang gemacht, machen wir nicht mehr.  

Was war für dich das Problem an der CO₂-Bilanzierung?

Wir haben es dreimal gemacht. Der einzige Rat, was zu verbessern wäre, ist die Mobilität der Mitarbeiter*innen. Aber was soll ich da machen im Gailtal? Das ist illusorisch. Also arbeite ich lieber am Unternehmen, statt Zeit in etwas zu stecken, das mich nicht weiterbringt. Ich finde immer etwas, wo ich wirklich was tun kann.  

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© der daberer.das biohotel

Wenn du in fünf Jahren auf heute zurückblickst – über welche Veränderung würdest du dich freuen?

Ich möchte, dass die Region noch spannender und spezieller wird. Es ist eine Randregion, hat aber extrem viel zu bieten. Ich würde mir wirklich wünschen, dass diese Kraft, dieser Ort und dieses Dorf noch mehr von den richtigen Menschen gefunden wird. Daran arbeiten wir intensiv. Das ist das Schöne am Hotel: Ich muss nicht woanders hinfahren – die Menschen kommen zu mir.  

Ist die Anreise ins Gailtal zu kompliziert?

Es ist nur eine vermeintliche Mobilitätsfrage. Mit dem Zug schaffst du es. Es ist nicht mega bequem, weil du umsteigen musst und dann noch ins Taxi. Aber vor Ort brauchst du für einen Erholungsurlaub viel weniger Mobilität, als man denkt. Dann ist der Erholungswert besonders hoch.  

Kannst du das erklären?  

Weil der Radius klein bleiben darf. Wenn ich ständig denke: Wo fahre ich morgen hin, welcher Berg, welche Stadt, was tut sich – dann bin ich wieder im Planungsstress. Wenn ich das weglasse und sage: Jetzt bin ich da, gehe zur Gail runter, fahre mit dem Rad, mache, was ich aus eigener Kraft schaffe – dann erlebe ich wirklich Erholung. Du hast Zeit, mit einer Bäuerin zu reden oder mit einem Produzenten. Der Ort gibt es her, dass du eine Woche einfach nur da bist, oder zwei oder drei.

Und ihr unterstützt das mit Tipps?

Ja. „Hier sein“ heißt nicht, dass du nur auf der Liege liegst. Du kannst einen sehr inhaltsvollen Tag haben. Wir haben eine stark besetzte Rezeption, wir geben extrem viel Insights, was du rundherum machen kannst. Ohne, dass du wie ein Irrer durch die Gegend düst.   

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Change Maker Hotel Der Daberer Waldsauna von außen
© der daberer. das biohotel
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Ruheraum im Biohotel Daberer
© Der Daberer – Das Biohotel

Das ist aber schwierig, weil du kommst mit so einem anderen Tempo aus der Stadt.

Wir merken das ja, wie die Menschen bei der Tür hereinkommen. Ich will gar nicht behaupten, dass es bei mir anders ist, wenn ich mit Mann und Kindern wegfahre. Aber aus neutraler Position sehe ich den Stress.

Wie verändert sich der ideale Urlaub? Geht es generell mehr in Richtung Entschleunigung?

Es würde den Menschen gut tun, wenn es dahin gehen würde. Einfach mal nichts tun. Dafür bieten wir den Rahmen. Was der Gast daraus macht, ist seine Sache. Unser Angebot ist immer undogmatisch. Wir legen viele Bücher auf. Einfach hingreifen und drei Stunden blättern. Ohne Ziel, irgendeines davon fertig zu lesen. Das entschleunigt.

Wo holst du dir selbst Informationen und Inspirationen?

Ich fahre supergerne weg, um Neues zu sehen. Aber es reicht schon, ein Magazin durchzublättern, und mir fällt garantiert etwas ein. Bei mir ist es eher so, dass ich manchmal weniger machen muss. Ich lerne viele Menschen über das Hotel und über Instagram kennen, die mich auf irgendeine Idee bringen. Ein Hotel ist ja eine Spielwiese.

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derdaberer.dasbiohotel

Ihr habt viel für das Team gemacht – tolle Unterkünfte, Weiterbildung, Slow-Food-Lehre. Ist das auch eine Reaktion auf den Fachkräftemangel?

In den letzten Jahren hat sich viel getan: Eine junge Generation kommt nach, weniger Mitarbeitende aus der Region, höhere Fluktuation. Da musst du reagieren, wenn du überleben willst. Wir haben immer geschaut, dass es den Mitarbeiter*innen gut geht. Und ich tue mich extrem hart damit, wenn der Tourismus so schlecht geredet wird.  

Zu unrecht?

Auf den Tourismus zu hauen, ist leicht. Es gibt engagierte Betriebe – wie in allen Branchen. Ja, es ist ein anstrengender Beruf. Aber ein sehr kommunikativer. Und ich glaube, es wird wieder mehr Menschen geben, die gern mit Menschen arbeiten. Es gibt so viele Single-Haushalte, so viele sind allein – da wächst das Bedürfnis, gemeinsam etwas zu schaffen. Im Hotel kann das ein schönes Miteinander sein, für einen positiven Zweck: Urlaub.

Was sind die Bedürfnisse der neuen Mitarbeiter*innen?

Früher kamen viele aus der Region. Da war ein Job in der Nähe die beste Motivation. Heute gibt es Menschen, die sagen: Ich bin aus Hamburg, ich will probieren, wie es ist, in den Bergen zu leben und in einem Haus zu arbeiten, das meinen Werten entspricht. Manche merken: war nett, aber ich halte es nicht aus. Andere sagen: Das ist genau meins.  

Welche Rolle spielen Bezahlung, Druck und Arbeitszeit?

Natürlich kann es beim Abendessen eine halbe Stunde geben, die stressiger ist. Oder an einem mega Anreisetag wird es an der Rezeption wuselig. In einem Hotel wie dem Daberer ist der Druck überschaubar. Die Bezahlung liegt in der Top-Hotellerie generell über Kollektivvertrag. Das war immer schon so. Bei uns sowieso. Das Gailtal ist ein C-Standort für ein Hotel. Wenig Einzugsgebiet. Du musst schon richtig kurbeln, dass du Menschen herbringst.

Gäste und Arbeitskräfte?

Ja, du darfst nicht müde werden. Manchmal ist es leichter, Gäste zu kriegen. Manchmal ist es leichter, Mitarbeitende zu kriegen. Und das wechselt sich immer so ab.

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Change Maker Hotel Der Daberer Teamhaus
© der daberer / M. Hofmann

Daberer Teamhaus

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Restaurant-Team im Biohotel Daberer
© Der Daberer – Das Biohotel

Wie wichtig ist die Natur ums Haus?

Total wichtig. Wir haben vorher über Bremsen und Runterkommen geredet. Wir möchten nichts überkultivieren. Wir legen Wiesen an, Wege, Gärten – aber nie die perfekte Parkanlage. Natur darf Natur sein.

Wird im Tourismus zu viel inszeniert?

Ein bisschen Inszenierung ist gut und wichtig. Es muss zum Ort passen, darf nicht überinszeniert sein und soll Freiraum fürs persönliche Erlebnis lassen. Manche brauchen die komplette Inszenierung, andere weniger.  

Was ist beim Daberer inszeniert?

Wir haben eine Zeit lang „Frühstück am Teich“ inszeniert – und dann gemerkt: passt nicht. Schwer zu verkaufen, wetterabhängig, personalintensiv. Später haben wir diese Salat-Sackerln gemacht, und jetzt nehmen manche Gäste die einfach, setzen sich irgendwo hin und inszenieren sich ihren Platz selbst. Das freut mich immer, wenn ich das sehe.

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Blumenwiese beim Biohotel Daberer
© Petra Percher
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Marianne Daberer mit Petra von Change Maker Hotels vor Blumenwiese
© Rob Kropf

Marianne Daberer mit Petra von den Change Maker Hotels beim "Blumenwiese-Schauen"

Apropos Inszenierung – wie kam es zu diesem traumhaften Blumenfeld beim Daberer?

Diese Blumenwiesen macht ein Gailtaler. Ich habe sie gesehen und wollte auch eine Wiese, die bis Oktober blüht. Für die Insekten und Bienen und Schmetterlinge. Die Wiese beweist: Menschen brauchen gar nicht viel. Die stehen da unten, schauen, fotografieren – und merken, dass es am Foto nicht so ausschaut wie in echt. Weil es in echt lebt und keucht und fleucht.

Schön, wenn es Dinge gibt, die man nicht fotografieren kann.

Ja. Und umgekehrt gibt’s auch Dinge, die am Foto besser ausschauen als in Realität. Die meisten eigentlich. Bei den Büchern im Haus ist es ähnlich: Da kommt so viel Feedback zur Auswahl. Und ich denke mir manchmal: Es sind einfache Dinge, nicht budgetintensive Dinge, die Leute so nachhaltig begeistern. Da ist eine tiefe Sehnsucht nach solchen Momenten.  

Die Stärken des
Biohotel Daberer
 

Gesundes Essen
Gesundes Essen
Soziale Verantwortung
Soziale Verantwortung
Transparenz
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der daberer. das biohotel

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